Burg Kerpen, Eishöhle/Mühlsteinhöhle bei Roth, Keltengrab Müllenborn

In jedem Urlaub muss wenigstens einmal Minigolf gespielt werden. Auf der Wanderkarte ist bei der Freizeitanlage Kerpen ein Minigolf-Symbol eingezeichnet, und wir fahren hin. Die Minigolf-Anlage versteckt sich hinter Büschen, die diese ringförmig umzingeln. Aber in dem Holzhäuschen, wo angenommenerweise die Minigolf-Utensilien ausgegeben werden, ist noch niemand. Schade! Mathis und ich überlegen, was so ein einfacher Minigolf-Schläger und ein Ball kostet. Dann könnte man auf solchen frei zugänglichen Minigolfplätzen einfach kostenlos drauflos spielen. Aber wo findet man so etwas überhaupt sonst noch?

Da wir schon eine Woche bei Kerpen wohnen, aber noch nie die Burg aus dem 12. Jahrhundert näher angeschaut haben, tun wir das bei dieser Gelegenheit. Unten auf der Straße sitzt eine total süße, große, wuschelige Mieze an der Straße. Sie weiß wohl, dass wir die richtigen Katzenfreunde für Streicheleinheiten sind und tigert direkt auf uns zu. Wenn es nach der Katze ging, würden wir sie heute noch streicheln. Wir laufen den Berg weiter hoch. Die restaurierte Burgkapelle von 1506 ist geschlossen. Das Standesamt Hillesheim befindet sich sogar in der Burg!

Wieder zurück im Dorf ist auch die Katze wieder da und erwartet nochmals Zuwendung, was wir ihr nicht verweigern können. Zur Erinnerung schießt mein Vater ein Foto von ihr.

Weil ich gestern abend auf der Wanderkarte eine weitere Eishöhle bei Roth entdeckte, müssen wir heute natürlich hin. Meine Mutter stellte das Navigationsgerät im Auto auf Roth bei Prüm. Es gibt mehrere Roths, allen voran das Roth bei Nürnberg. Die anderen Roth-Zusatzbezeichnungen sagen uns alle nichts, aber bei „Roth bei Prüm“ wissen wir, dass es in der Eifel liegt. Das muss es also sein. Nach der Streckenberechnung teilt das Gerät die Entfernung mit: 28 km. Das kommt mir ziemlich weit vor. Ich versuche, den Weg der Navi wieder über die Wanderkarte zu verfolgen und wundere mich schon etwas, als wir weit ausholen und in Auel eintreffen. Ich sage zu allen „Irgendwas stimmt da nicht. Also wenn er da vorne immer noch gerade aus fährt, dann passt was mit der Navi nicht!“ Uns dämmert es, dass wir ein falsches Roth eingegeben haben. Aber gut, dass wir uns nicht ganz blind auf die Navi verlassen haben. Da wir keine Lust haben, das richtige Roth herauszusuchen, stellen wir das Ding einfach auf den Nachbarort Kalenborn-Scheuern ein. Diesen bescheuerten Namen gibt es hoffentlich nicht noch einmal in Deutschland! Hätten wir eigentlich gleich machen sollen.

Bei Roth gibt es nicht nur eine Eishöhle, sondern auch eine Mühlsteinhöhle.Wie gehabt sind wir wieder zu Dritt in beide Höhlen gekraxelt. Eis ist jedoch nicht in der Eishöhle gewesen, wie auf dem Hinweisschild beschrieben. Ist wohl zu warm draußen.>

Meine Fotos aus der Mühlsteinhöhle:

Es soll da auch noch eine Drachenhöhle geben, aber leider haben wir keine Hinweisschilder gefunden. Mathis und ich sind schon seit gestern Abend neugierig auf das in der Karte entdeckte Keltengrab bei Müllenborn. Wir wollen dieses Ziel in einen Wanderweg einbauen und fahren mit dem Auto durch Müllenborn und der Abzweigung nach Oos vorbei in Richtung Scheuern. Gleich neben der Landstraße gegenüber einem kleinen Marienfeldkreuz stellen wir das Auto ab und beginnen auf dem Geo-Weg, aber nur so weit, bis der Wanderweg 6 abzweigt.

Auf dem Weg begegnen mir wieder schöne Bildschirm-Hintergrund-Motive in Form von Kornblumen und Kamille.

Ein Geopark-Schild erklärt an einem Hang ein seltenes Phänomen: Beton ist ein künstlicher Stein und besteht aus einem Gemenge von Zement, Betonzuschlag und Wasser. Ein häufig verwendeter Betonzuschlag ist beispielsweise Kies. Auch in der Natur entstehen betonähnliche Gesteine. Bei kurzen, starken Regenfällen können Gesteinsstücke in Kies oder/und Sandstückgröße zusammengeschwemmt werden. Das Bindemittel, das diese Stücke miteinander verklebt , kann kalkig, tonig oder eisenhaltig sein. In der Geologie heißt ein solches Gestein „Konglomerat“.

Mathis und ich fallen Vergleiche zur Cheopspyramide ein. Die einzelnen Steine sollen ja angeblich auch aus einem künstlich hergestellten, einem gegossenen Stein bzw. Zement hergestellt worden sein. Es wurden schon Haare in den Steinen gefunden. Könnte es hier ähnlich sein? Und dann auch noch ein Keltengrab in der Nähe. Wenn da nicht mehr dahintersteckt! Man weiß ja von den Kelten sehr wenig. Sie könnten zu einer hochentwickelten Kultur gehört haben, die vor unserer europäischen Kultur bzw. vor der Römerzeit und vor der Christianisierung hier auf dem Kontinent sesshaft war.

Fünfzig Meter, nachdem der Wanderweg 6 abgezweigt ist, sieht Mathis auf dem Weg einen absolut auffälligen Käfer umherkrabbeln. Er glänzt prächtig in allen Farben, hauptsächlich gold, grün und orange. Etwas früh für die Disco! Als wir ihn alle belagern, begutachten und fotografieren, denkt sich der Käfer: „Hätte ich doch meine neuen Sachen vom Otto-Katalog nicht gleich angezogen!“ Im Käfer-Fotowettbewerb um das schärfste Bild mit dem größten Käfermaßstab ist meines hervorgegangen:

Bald - nachdem wir an einigen Himbeerbüschen vorbeigekommen sind, kommen wir zum Müllenborner Keltengrab auf Lenzerath. Es ist etwas enttäuschend. Nur ein kleiner unscheinbarer Hügel im Wald.

Ein Feriengast entdeckte 1913 zwei merkwürdige Hügel. Diese wurden untersucht und es stellte sich heraus, dass es tatsächlich Grabhügel aus der Keltenzeit waren. In einem der beiden Gräber wurden ein Eisenreif, Ringe und Kleinteile gefunden. Diese Fundstücke wurden in das Preußische Landesmuseum Berlin gebracht, aber leider sind sie durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren gegangen. Die Grabstätten der Kelten wurden je nach ihrer Kultur – entweder Hallstatt oder Latène, ausgestattet. Nachdem sich das Eisen als neuer Werkstoff durchgesetzt hatte, brach eine neue Epoche in Europas Vorgeschichte an. Die ältere Phase der Eisenzeit wurde nach einem umfangreichen Gräberfeld im österreichischen Salzkammergut Hallstattzeit benannt (ca. 800 - 450 v. Chr.), die jüngere Phase nach einem Fundort am Neuenburger See in der Schweiz Latènezeit.

Irgendwie glauben wir nicht, dass das alles war mit dem Hügelgrab und schnuppern neugierig in den Wald hinein (kein Naturschutzgebiet). Tatsächlich finden wir etwas Eigenartiges; an einer Stelle im Wald sind lauter Steine, die nirgendwo anders im Wald vorkommen und die leicht ringförmig angeordnet herumliegen. An einer Stelle an einem Stein vermuten wir eine alte Inschrift. Aber wahrscheinlich hat das alles nichts zu bedeuten, wir hätten's halt gern so gehabt.
 


Woran wir auch noch vorbeikommen und was auf der Wanderkarte nicht eingezeichnet war, ist der sog. Felssturz. Ein breites Geröllfeld, schätzungsweise 30 Meter breit und 100 Meter lang. Das Jesuskreuz zeigt entweder an, dass hier schon mal jemand zu Tode gestürzt ist oder es soll weitere Kraxler vor dem Absturz bewahren. Hinter dem großen Fels links neben dem Ast ist noch nicht Schluss!

Weiter geht es auf einem schmalen Weg durch hohes buschiges Farngewächs und dichten Wald.

Irgendwann stoßen wir wieder auf den Geopfad und folgen dem Weg entlang von unzähligen Blaubeerbüschen am Wegesrand. Bald kommen wir wieder an dem Weg vorbei, auf dem der denkwürdige Käfer unseren Weg gekreuzt hat und auf die Felder hinaus, wo das Auto nicht mehr weit ist.

Nach dieser Wanderung greifen wir das Thema Minigolf wieder auf. Auf der Wanderkarte habe ich das Symbol für Minigolf auch in Gerolstein gesehen. Aber weil die Orientierung mit der Wanderkarte bekannterweise schwierig ist, fragt mein Vater an einer Tankstelle nach diesem Minigolfplatz. Der Tankstellenfuzzi will meinem Vater ganz selbstbewusst weismachen, dass es in Gerolstein keinen Minigolfplatz gibt! Zum Glück spricht uns von sich aus noch eine Frau an, die gerade ihr Auto in der Waschanlage hat, und erklärt uns den Weg zum Minigolfplatz. Und tatsächlich: in dem Bungalowpark und Feriendorf „Felsenhof“ ist der Platz. Das Lustige ist, dass dieses Feriendorf von einem Niederländer gegründet worden war und dass sich ausschließlich niederländische Feriengäste auf dem Terrain befinden. Auf dem großen Parkplatz sind wir das einzige Auto ohne gelbes Nummernschild. Alles ist neben deutsch auch in holländisch beschriftet. Wir fühlen uns wie Fremde im eigenen Land, aber es ist eine witzige Erfahrung. Meine Mutter und ich holen uns die Schläger, Bälle und Laufzettel in einem Hotel und bezahlen. Die Angestellte ist natürlich auch eine Holländerin.
"Niet op de banen lopen“ steht auf dem Minigolfzettel; es ist eigentlich Miniaturgolf, was wir spielen. Die 15 Bahnen sind nicht besonders sauber, es liegen viel Steinchen und Biomasse darauf. Aber jeder hat ja mit den gleichen Bedingungen zu kämpfen, also egal. Und bei manchen Bahnen steht das Loch am Ende unter Wasser. Da freut man sich, wenn man eine Sieben hat und den Ball nicht aus dem Loch fischen muss. Die Hindernisse sind oft sehr schwer, man muss den Ball oft über lange Distanzen in kleine Stellen hineintreffen. Also sind die Siebener gar nicht selten. Gott sei Dank! Am Ende bin ich mit meiner Mutter punktgleich mit 68 Punkten, und es gibt ein Stechen. Aus Versehen suchen wir die Bahn aus, wo ich eine Zwei und Mutter eine Sieben hatte. Meine Mutter macht ein zweites Mal Sieben. Und was mache ich? Zwei. Das war kein Glück, das war Können!

Wir haben jetzt einen Bärenhunger an unserem letzten Urlaubsabend und gehen wieder in der Schwarzbrennerei essen. Das Essen ist wieder famos. Diesmal probiere ich das, was Mathis gestern hatte und umgekehrt.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.