Munterley, Buchenlochhöhle, Tempelbezirk, Kasselburg, Lindenquelle, Birresborner Eishöhlen

Weil ich gewisse Vorstellungen habe, wo wir hin müssen, übernehme ich die Navigation nach Gerolstein über Lammersdorf, um in der Nähe des selbst ausgedachten Wanderweg-Beginns gleich zu parken. Mit diesem Einstieg wollte ich eine lange Lauferei den felsigen Berg „Munterley“ hoch „vornherum“ vermeiden und gleich bei der ersten Attraktion, der Buchenlochhöhle, sein. Aber denkste: da wir nur die Wanderkarte haben, aber keinen richtigen Ortsplan, ist das schwieriger als ich gedacht habe. Wir biegen viel zu spät rechts in ein Wohngebiet ab.

Wir steigen aus und mokieren uns halb und amüsieren uns halb über diesen - je nach Sichtweise - vergewaltigten oder wohlgestalteten Lebensbaum in einem Vorgarten der Straße:

Keiner weiß genau, wo wir sind. Wir laufen ratlos diskutierend herum. Eine lebensgroße Werbefigur von Gerolsteiner Sprudel kann uns auch nicht helfen. Plötzlich kommt eine Frau aus einem Haus und geht auf uns zu. Sie fragt uns, ob sie uns helfen kann! Natürlich sehr! Sie zeigt uns die Stelle auf der Karte, wo wir uns befinden. Sie sagte sie habe gerade Marmelade eingekocht und uns gesehen, wie wir umherirren. Das ist doch echt nett! Wir sind nämlich in dem Tal zwischen dem Auberg und der Munterley. Den Auberg nennen wir im Laufe des Urlaubs immer „die Hand“, weil die Felsen aussehen wie fünf Finger einer Hand.

 

Nun hieß es doch, an der Munterley „vornherum“ hinaufzusteigen. Es ist aber nicht so beschwerlich. Felsbrocken bekamen wir trotz Warnung auch nicht auf den Kopf.

Für unsere Mühen werden wir mit einer tollen Aussicht auf Gerolstein belohnt, auch wenn die Sonne nicht gerade lacht. Den Bus muss ich unbedingt auf das Bild kriegen.

Weiter geht es vorbei an dem Ergebnis einer 72-Stunden-Aktion. Eine Messdienergruppe - lauter Kinder - haben zwischen Munterley und Buchenlochhöhle eine Entbuschung vorgenommen und Nistkästen gebaut. Das alles in 72-h-Stunden, eine gute Idee - finden wir. Bevor sich Aktivitäten ewig hinziehen, kann man auch mal richtig reinkrachen.

Nun sind wir an der Buchenlochhöhle. Nicht besonders tief und interessant, das Loch. Wir wissen nicht, dass wir heute Abend noch viel tollere Löcher bzw. Höhlen zu sehen bekommen.


Foto: Mathis

Es geht weiter über die Papenkaule, einem sog. trockenen Maar. Wir folgen bis zur Kasselburg den sog. Vulkanweg. Der ehemalige Krater hat seit seiner Entstehung nur wenig an Tiefe verloren. Er besitzt immerhin noch eine Tiefe von 20 m und einen Durchmesser von etwa 80 m.

Wir kommen an einem Feld mit eigenartigen Feldfrüchten vorbei und stellen fest, dass es ganz normale Erbsen sind.

Bald gibt es etwas Historisches zu sehen, nämlich einen gallo-römischen Tempelbezirk. Oder besser das, was davon übrigblieb.

Seit 1833 weiß man von einigen Grabungen von Laien und Fachleuten in diesem Gebiet. Zuletzt wurde das Heiligtum 1985 bis 1990 von Mitgliedern des Eifelvereins freigelegt und gesichert. Innerhalb eines fast rechteckigen Bezirkes konnten mindestens sechs Gebäude nachgewiesen werden. Eine vielleicht 80 cm hohe Mauer grenzte den heiligen Bezirks (temenos) vom profanen Teil der Kultstätte ab. Mittelpunkt des Heiligtums muss ein gallo-römischer Umgangstempel gewesen sein. Dieser Typ Tempel war in Gallien und Britannien weit verbreitet. Laut einer Bauinschrift wurde er am 5. Oktober 124 n. Chr. der sonst unbekannten Göttin Caiva geweiht. Eine Inschrift besagt, dass Marcus Victorius Pollentinus der Göttin Caiva auf seine Kosten einen Tempel geschenkt hat.

Die Dea Caiva, im heutigem Sprachgebrauch besser Mutter Caiva genannt, war eine der Schutzpatroninnen der keltischen Bauernschaften, die damals den Raum Gerolstein und Pelm hinaus bewohnten. Interessant: Die Feststellung, daß der Kalkmörtel im Gemäuer härter war als viele der verbauten Steine, machte lange Kopfzerbrechen. Der Kalk war nicht mit Wasser, sondern mit Milch gelöst worden. Es hatte sich nicht kohlensaurer, sondern milchsaurer Kalk gebildet, der nahezu unverwüstlich ist. Es wurden chemische Analysen gemacht, die diese Aussage bestätigten.

Die Römer mit G. J. Caesar (58-50 v. Chr.) eroberten das Gebiet. Die Kelten waren bei den Römern die Gallier. Die Römer nahmen die Religionen der unterworfenen Völker in ihren Götterkult auf. Es heißt, das die Kelten von den Römern den Steinbau, d.h. das Kalkbrennen und Mörtelbereitung übernahmen.

 

Nun sind wir an der Kasselburg mit seinem Adler- und Wolfspark angelangt. Während unserer Mittagsbrotzeit auf einer Bank oberhalb der Landstraße haben wir einen tollen Ausblick auf Pelm

Die orangen städtischen Fahrzeuge sind unterwegs und mähen den Straßenrand. Es gibt immer wieder unschöne, ungesunde Geräusche, wenn das Mähblatt irgendwelche feste Gegenstände streift.

Eine kleine Enttäuschung folgt. In dem Prospekt des Adler- und Wolfspark Kasselburg steht, dass die Greifvogel-Vorführungen und die Wolfsfütterung zwischen 13 und 15.45 Uhr stattfinden. Aber vorne am Eingang des Parks ist ein Schild angebracht, auf dem zu lesen ist, dass jeden Tag die Greifvogel-Vorführung um 15 Uhr und die Wolfsfütterung um 15.45 Uhr beginnt. Aber jetzt ist es erst 13 Uhr! Zwei Stunden in dem Park aufhalten ist uns einfach zu lang!

Die beste Lösung ist es, zurück zum Auto zu wandern und danach mit dem Auto noch einmal her zu kommen. Wir hoffen, die Strecke in 1 ½ Stunden zu schaffen. Aber Sonjas Spezial Wanderweg mithilfe der Wanderkarte und ihren eingezeichneten Feldwegen nimmt nur eine knappe Stunde Zeit in Anspruch. Meistens sind wir aber den Weg mit der Nummer 2 und 9 gefolgt. Die Strecke war schön gerade, außerdem haben wir „den Berg hintergangen“, eine zweideutige Formulierung, die für diese Abkürzung wie die Faust auf Auge passt. Von dem Weg am Waldrand haben wir sehr lange Blicke auf ein Werk von Gerolsteiner Sprudel mit roten Pfeilen in der Architektur.

Lustigerweise streifen wir die Stelle, bei der ich eigentlich den Wanderweg beginnen wollte, was aber aufgrund von Orientierungsschwierigkeiten - ich schilderte bereits - nicht geklappt hat. Nun sind wir wieder an der Seite des Berges, wo wir zu unserem Rundwanderweg "eingestiegen" sind. Diese Pferde sehen aus, als ob sie auf eine Fotografin gewartet hätten:

Wir fahren also noch einmal zur Kasselburg mit seinem Adler- und Wolfspark. Mathis und ich erweitern mithilfe von Schautafeln unser Wissen über Wölfe bzw. Canis lupus, während wir durch die Anlagen laufen. Ein paar Wölfe können wir auch erspähen, sie halten sich in der Nähe der Burg oben am Hang auf.
 

Es gibt aber jede Menge Unterarten zum Wolf, die sich in eurasische und nordamerikanische Arten aufteilen. Unser Wolf ist der gemeine Wolf (Canis lupus lupus).

Gegen 15 Uhr laufen wir beide beim „Flugplatz“ für den Greifvogel-Verkehr ein, es sind schon viele Leute da. Die Flugshow ist echt sehenswert, wobei wir leider nicht den besten Platz ergattern konnten. Besser steht man vorne vor den Bänken, die extra für die Vorführungen gedacht sind.

Obwohl die Flugshow länger als 45 Minuten dauert, überschneidet sie sich nicht mit der Wolfsfütterung. Man hat genügend Zeit, zu den Gehegen hinunter zu laufen. Der mutige Tierpfleger erklärt im Wolfsgehege stehend, wie die Fütterung ablaufen wird und anderes Wissenswertes. Dann schüttet er einen Schubkarren voller Innereien auf den Waldboden und verschwindet. Zuerst holen sich die Alpha-Tiere, das ranghöchste Paar im Rudel, die besten Bissen. Sie bleiben nicht etwa, wie ich dachte, bei dem Fleischhaufen stehen und fressen so lange, bis sie satt sind, sondern verschwinden mit dem Futter im Maul wieder. Tatsächlich sehen die Alpha-Tiere vitaler und kräftiger aus als die zum Schluss nicht so selbstbewusst heranschleichenden, etwas zerzausten Omega-Tiere. Jedenfalls verstehe ich jetzt, warum Hitlers Lieblingstier der Wolf war. Weg mit den Alten und Kranken, damit das Rudel überlebt. Was im Tierreich gut ist, kann man nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen. Dafür enden Rangkämpfe beim Wolf innerhalb des Rudels nie tödlich, was man vom Menschen nicht behaupten kann. Kämpfe mit anderen Wolfsrudeln können aber dennoch für Einzelne mit dem Tod enden.

Gestern abend las ich in dem Reiseführer HB Bildatlas von einer Mineralquelle „Lindenquelle“ bei Birresborn und den sog. Eishöhlen. Da müssen wir unbedingt hin. Mineralquellen mag ich deshalb so, weil man da mal ganz kostenlos und ungeniert saufen kann und mir das Eisen im kalten Wasser so schmeckt.

Das sieht doch schon mal gut aus, in diesem Quell-Pavillon soll die Quelle sein:

Doch die Enttäuschung ist groß:


Bekannt war die Quelle wohl schon zu römischer Zeit. Damals muss sie schon besser ausgesehen haben. Schriftlich wird das Mineralwasser bereits Ende des 17. Jahrhunderts erwähnt, und 1726 wurde schon mit der Abfüllung des Mineralwassers in Tonkrüge und dem Versand nach Trier, Luxemburg, Aachen und andere Städte begonnen. Das Birresborner Mineralwasser wurde weltweit von 1877 bis 1904 mit Medaillen ausgezeichnet, z.B. in Chicago, London, Amsterdam oder Buenos Aires. Im Jahr 1913 erfolgten Lieferungen sogar nach Süd- und Mittelamerika, China, Indien und in die niederländischen Kolonien. Bis 1958 stieg die Zahl der jährlichen Füllungen auf etwa 7,3 Millionen. Leider musste der Betrieb Anfang der 60er Jahre nach einer Verschüttung der Quelle eingestellt werden.

Der Reiseführer ist wohl auch nicht ganz informiert. Es steht nichts davon, dass die Quelle nicht mehr in Betrieb ist. Der Pavillon wurde 1982 unter Denkmalschutz gestellt. Das Gebäude wurde wahrscheinlich 1824 im Baustil des Klassizismus errichtet. Draußen hui, innen pfui und - so eine tolle Erfolgsgeschichte einer Mineralquelle und die Gegenwart wird so vernachlässigt...

Diese kleine Mineralquellen-Enttäuschung wird hundertfach wettgemacht durch die Birresborner Eishöhlen. Vom Parkplatz aus muss man noch 1,5 km leicht bergauf laufen, was uns langsam ans Ende unserer Kräfte für heute bringt. Die Eishöhlen sind im Gegensatz zur Buchenlochhöhle richtige Höhlen, die man mit einer Taschenlampe erkunden kann. Das sind für uns die allerersten Höhlen in unseren Leben, die man ohne Führer betreten kann und wo kein installiertes Licht den Weg weist. Die Höhlen führen bis zu 40 Meter in den Berg hinein. Obwohl man sich da drin kaum verirren kann, weil es nur einen Weg in den Berg und wieder zurück gibt, ist das Abenteuer pur!

Die Höhlen sind keine natürlichen Gebilde, sie entstanden durch unterirdischen Abbau von vulkanischem Gestein. Die Schweißschlacken, ein vulkanisches Auswurfprodukt aus fest verbackenen Gesteinsbrocken, eigneten besonders gut zur Herstellung von Mühlsteinen, die bis ins 19. Jahrhundert gefragte Produkte waren. Aber nicht jeder ehemaliger Stollen wird zu Eishöhle. Das poröse vulkanische Gestein ist sehr feucht; so wird die Entstehung von Verdunstungskälte begünstigt. Die Eingänge liegen relativ hoch, während die Gänge abwärts führen. So kann die Kaltluft nicht abziehen. Früher kam es bis in den Sommer zur Eisbildung, aber in den letzten Jahren passierte dies nicht mehr. Im Juni ist das Eis meist verschwunden.

Mein Vater geht in jede der drei Höhlen mit der Taschenlampe voran, ich greife mir einen Zipfel seiner Jacke und folge ihm. Mathis macht das Gleiche mit mir. Meine Mutter traut sich nicht und bleibt draußen. Oft muss man seinen Kopf einziehen, manchmal sehr gebückt laufen. Am Ende jeder Höhle bleiben wir stehen, mein Vater macht die Taschenlampe aus. Wir sehen ins absolute Schwarz und hören die Stille, nur das tropfende Wasser von der Decke. Es ist schwierig, bis man das eigene und gegenseitige Geraschel von den Regenjacken endlich abgestellt hat. Ein tolles Erlebnis!

Meinem Vater ist ein irritierendes Foto gelungen:
Was ist vorne und was ist im Hintergrund? Der hell beleuchtete oder der dunkle Felsen?

Der Weg von den Eishöhlen zum Auto zuürck gehen wir beschwingter. Erstens geht es nur noch bergab und zweitens war das Erlebnis als Höhlenforscher einfach aufwühlend spannend.

Wir fahren von Birresborn her nach Gerolstein hinein und entdecken an der Sarresdorfer Str. 51a ein Restaurant namens Schwarzbrennerei. Wir haben durch die viele Wanderei großen Hunger! Die Preise draußen im Schaukasten sind passabel, also wagen wir uns hinein. An der Bar gleich am Eingang ist alles voll besetzt, an den Tischen und Stühlen ist aber noch genügend Platz. Eine Urkunde des Küchenchefs als Gewinner der Koch-Olympiade, die auf dem Gang zur Toilette hängt, verheißt ein leckeres Essen. Und so ist es auch! Ich bestelle ein Rahmschnitzel mit Champignons und selbst gemachten Spätzle. Die Rahmsoße ist superb, ich esse jeden Bissen ganz bewusst und mit Genuss. So langsam habe ich schon lange keine Mahlzeit mehr zu mir genommen. Mathis isst ein Schweinesteak mit Sauce Bernaise und Pommes. Er ist genauso begeistert, besonders von der Sauce. Auch den Eltern schmeckt es vorzüglich. Und zum Schluss für alle noch einen Wacholderschnaps, der gegen Kopfweh helfen soll. Und wie immer in jedem Urlaub - wenn die letzten Tage anbrechen, entdeckt man das beste Lokal. Wenigstens haben wir noch morgen

Abends in der Ferienwohnung lassen wir den gelungenen Tag ausklingen mit dem Bau von Kartenhäuschen. Die Idee dazu ist die Erinnerung an früher, denn Mathis und ich bauten gerne welche in unseren Kindheiten. Mein Vater lässt sich heute Abend auch dazu anstecken.

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