Dreimühlener Wasserfall Nohn

Den Wanderweg Nr. 15 zum Dreimühlener Wasserfall hätten wir von Kerpen aus auch schon starten können, die Beschilderung ist vorhanden. Aber wir müssten ein zu langes Stück zum eigentlichen Rundwanderweg zurücklegen. Wir wären wie am Anfang der Schnur an einem Luftballon gewesen. Wir möchten sozusagen gleich am Luftballon beginnen und fahren zu einem günstigeren Platz.

Wir parken in einem Gebiet, wo es viele Wochenendhäuser gibt, bei einem Sportplatz und laufen los. Der nahe gelegene Wald zu unserer Linken heißt „Auf den Bänken“. Erst überqueren wir die Straße, die von Niederehe nach Üxheim führt. Nach zwanzig Minuten erreichen wir eine Schutzhütte, die auch auf der Wanderkarte eingezeichnet ist und bereits zum Dreimüllerwald gehört. Auf die Holzwände in der Hütte waren rundherum einmal Kunstdrucke mit naiver Kunst geklebt. Das, was noch davon übrig ist, und kombiniert mit jugendlichen Schmierereien ist für mich eine weitaus interessantere Kunstform:

Die Erlebnisse auf dem nächsten Streckenabschnitt zum Wasserfall finde ich ziemlich skurril. Zuerst sehen Mathis und ich einen riesigen bzw. recht großen Hasen durch den Wald hoppeln. Eine halbe Minute später - ich laufe Mathis ein paar Schritte weiter voraus - kommt dieser Hase in einer Schneise direkt auf mich zu. Er scheint mich nicht wahrzunehmen! Aber ich finde diese Situation so grotesk, dass ich Mathis laut zurufe: „Hey, das gibt's nicht, der kommt auf mich zu!“ Das hat der Hase wohl gehört und ist seinerseits erschrocken. Schnell hat er - ungefähr 15 Meter von mir entfernt - einen Haken geschlagen und ist seitlich in den Wald verschwunden.

Kurz nach dem Hasenerlebnis sehen wir ein seltsame Pflanze, die wir noch nie gesehen haben. Sie sieht aus, als wenn ein paar unreife grüne Weintrauben auf einem senkrechten Stil sitzen. Was ist denn das?

 

Nun sind wir am Wasserfall. So ein Gebilde aus hängenden Moosen und Pflanzen, das ständig mit acht Grad kaltem Wasser von oben begossen wird, haben wir noch nie gesehen. Es ist toll und wir bleiben ziemlich lange. Nach längerer Betrachtung entdecke ich, dass auf der linken Seite mit etwas Phantasie ein Halbmond mit Gesichtsprofil zu erkennen ist. Ob das in ein paar Monaten immer noch so ist? Die Formen des Wasserfalls ändern sich im Laufe der Zeit nämlich immer wieder.


Dieses Foto: Mathis

Der Wasserfall ist wohl einer der interessantesten Wasserfälle der gesamten Eifel. Wegen seiner Einmaligkeit wurde der Wasserfall von Dreimühlen - er ist das nördlichste Kalksintervorkommen in Europa - zum Naturdenkmal erklärt. Er ist durch Karbonatablagerungen von drei stark kalkhaltigen Quellzuflüssen des Ahbaches entstanden. Solche Ablagerungen bezeichnet man als Kalksintergesteine. Seit der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren ist eine 300 Meter lange und 100 Meter breite Sinterbank entstanden. An dem Moospolster fallen stündlich 500 g Karbonat aus. Das heißt, dass der Wasserfall jährlich 10 cm Richtung Ahbach wächst. Zwischen 1912 und 1986 entstand so eine ca. 8 Meter lange, 5 Meter hohe und drei bis 1,5 Meter breite Kalksintermauer. Wie weit ist Ahbach entfernt und wie lange dauert es, bis die Mauer den Ort erreicht hat?

Nachdem wir uns von dem Wasserfall getrennt haben, steigen wir den Hang wieder nach oben und kommen wieder an der Stelle vorbei, wo auch schon ein bisschen Wasserfall stattfindet. Es sieht aus wie ein gewöhnlicher Gebirgsbach, der über ein paar Stufen Gestein nach unten plätschert. Das frische klare Wasser lädt dazu, dass man bei der Hitze die Füße damit abkühlt.

Als wir unsere Fußbadestelle verlassen, kommt ein Pärchen im mittleren Alter. Die Frau stellt sich hin und filmt mit einer Videokamera lange und intensiv diesen kleinen unspektakulären Wasserfall. Wir sagen nichts und lachen ins uns ins Fäustchen. Wenn sie meinen, dass dies die richtige Stelle ist?!

Nach über einer halben Stunde Weiterlaufen bis weit nach dem Paulushof spüren wir immer noch überdurchschnittlich warme Füße. Wieder überqueren wir wieder die Landstraße von Niederehe nach Üxheim. Als wir eine Rast bei der Einfahrt zu einem Kalkstein-Steinbruch machen, hat sich die Fußtemperatur wieder normalisiert. Der weitere Weg verläuft ohne besondere Ereignisse auf Wald- und Feldwegen. Es ist angenehm zu laufen ohne große Steigungen und Gefälle und die Natur zu genießen.

Das Wetter wird schlechter. Regenwolken sind schon länger aufgezogen und wir kriegen kurz vor Ziel die ersten Tropfen ab. Als wir zurück „zuhause“ sind, bricht ein heftiges Gewitter aus, das uns eine Stunde in der Wohnung festhält. Aber danach ist wieder eitel Sonnenschein. Die Wolken sind wie weggeblasen, der Himmel ist leuchtend blau. Das kleine schwarze Kätzchen ohne Namen ist noch ganz nass, aber schon wieder aktiv beim Hose-Hoch-Klettern, diesmal auch bei mir. Sie schafft es bis zur Strickjacke hoch und hängt dann mit ihren Krallen freibaumelnd daran. Aus dieser Lage muss ich sie befreien, einige Fäden meiner Jacke haben sich um ihre Krallen gewickelt. Jedenfalls ist für mich und Mathis nach dem Katzengewusel das Wetter wie geschaffen für einen kleinen Wanderspaziergang gleich von zuhause aus.

Wieder laufen wir am Wald oberhalb des Bauernhofs entlang. Es gibt einen Weg am Waldrand im Wald, der parallel zu dem Weg am Waldrand außerhalb des Walds verläuft. Weiter oben vereinigen sich diese beiden Wege wieder zu einem. Etwas weiter ist eine Bank, auf der wir uns setzen. Wir beobachten mit Spannung eine Szene aus dem Tierleben, die ca. 15 Minuten dauert und gleich neben der Bank im nassen Gras stattfindet: eine Schnecke mit Haus kreuzt im rechten Winkel den Weg einer Schnecke ohne Haus. Einen kurzen Moment berührt die Hausschnecke, die etwas ungeduldiger schien, den Körper der Nacktschnecke. Das macht dieser aber nichts aus. Sie setzt ihren Weg geradlinig fort. Und die Hausschnecke wartet.

Wir laufen den Hang wieder hinunter und kreuzen den Weg, der aus dem Ort führt. Diesmal erschreckt mich der Hund nicht, der am Samstag Abend unter dem Traktor saß und mich davon abhielt, ein Hufeisen vorne auf dem alten Traktor zu fotografieren. Der Hund ist heute glücklicherweise nicht da, aber ich habe die Kamera nicht dabei.
Wir laufen auf der anderen Seite des Dorfes wieder in den Wald hinein und drehen unsere Runden am Hönselberg, uns nach der Wanderkarte orientierend. Die noch nassen tropfenden Blätter der Laubbäume leuchten magisch durch die Abendsonne. Es ist eine erholsame Atmosphäre in diesem Wald nach dem reinigendem Gewitter.
Wir entdecken auch die Stelle, wo wir die Wandermarkierung vom Sonntag vermuten: hinter dem Holzstapel.

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