Kronenburg, Monschau, Photographica Museum

 Heute tauchen wir in die Welt der Touristenorte ab. Unser Ausflug geht zunächst nach Kronenburg, einer Burgruine mit einem Städtchen noch innerhalb der ursprünglichen Stadtmauer.

Burg und Ort sind auf einem Bergsporn errichtet, der mit dem anschließenden Gelände nur durch einen schmalen Sattel verbunden ist. An der schmalsten Stelle liegt das Nordtor, das nach Kriegszerstörung 1945 wieder aufgebaut wurde. Außerhalb der Ringmauer, die Ort und Burg umgibt, fällt das Gelände nach allen anderen Seiten steil ab. Der untere Teil der Siedlung war damals den Bauern und Handwerkern vorbehalten, die den Schutz der Burgmauer genossen, aber im Gegenzug zu Dienstleistungen verpflichtet waren. Der heutige Mauerumfang war im 15. Jahrhundert fertiggestellt und wurde später nur geringfügig verändert, z.B. wurde das Osttor geöffnet, damit Fußgänger schneller ins Kylltal gelangen konnten.

Eine Kirche, die Johanniterkirche, gab es in Kronenburg natürlich auch. Das kirchliche Leben Kronenburgs lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Zu dieser Zeit verfügten die Johanniter, der älteste geistliche Ritterorden, über einen Grundbesitz aus einem Haus sowie Äckern und Wiesen. Die Pfarrkirche wurde bewusst innerhalb der Verteidigungsanlage errichtet, so dass der Kirchturm gleichzeitig als zusätzlicher Wehrturm fungieren konnte.

Wunderschöne Glasfenster inspirieren mich wieder einmal, diese in Windowcolor nachzumalen. Aber bisher habe ich das noch nie gemacht, weil ich eigentlich mehr auf die eigene Kreativität setze. Das Marienfenster in der Nähe des Ausgangs erinnert an die bedrohliche Situation in den ersten Monaten des Jahres 1945, als das Kylltal unter schwerem Beschuss der amerikanischen Armee lag und die Bewohner Kronenburgs den Beistand der Gottesmutter anriefen.

Nach Kronenburg geht es weiter nach Monschau, ein niedliches Städtchen mit vielen Fachwerkhäusern, aber eine Touristenhochburg. Das grüne Bähnchen, dass mit meist älteren Touristen seine Runden durch die Gassen zieht, finden wir schrecklich. Auch im Sommer sind die Wagons mit - auch noch getönten - Plexiglasscheiben versehen. Ein Blick nach oben ist auch nicht möglich. Was soll man da großartig sehen können? Wir bedauern jedesmal die eingesperrten Mitfahrer, wenn so ein Ding an uns vorbeizuckelt.

Wir laufen weiter durch die Stadt und kaufen uns in einem Laden zwei Aachener Printen, weil wir noch nie welche gegessen haben. Der Preis von 5 € für beide veranlasst uns später in einem Café zu Spekulationen, wie viel Umsatz der Ladeninhaber wohl am Tag machen muss, damit die Kosten für seinen Laden oder auch für evtl. Angestellte gedeckt sind.


Foto: Mathis

Im Stadtplan mit Sehenswürdigkeiten-Auflistung (für 50 Cent) ist ein interessantes Museum aufgeführt: das Eifeler Photographica & Film Museum ==) zur Website. Meine Eltern überlassen uns den Stadtplan und gehen ihre eigenen Wege. Und wir suchen die Laufenstraße 40. Das Museum befindet sich einem kleinen Häuschen, der Sammler persönlich - ein gelernter Fotograf - macht uns auf. Im Erdgeschoß sind auf kleinem Raum in etlichen Vitrinen und auch freistehend Hunderte -Tausende? von Kameras aus allen Jahrzehnten und von allen möglichen Marken zu sehen. Digitale sind noch nicht dabei. Seine Plattenkameras sind auch schon sehr alt und aus dem 19. Jahrhundert. Er nennt uns genaue Jahreszahlen zu den Apparaten, aber vor lauter Frust, dass ich vergessen hatte, wann der Joseph Nicéphore Niépce mit seinen Belichtungsversuchen überhaupt anfing herumzuprobieren, merke ich mir seine Zahlen nicht.

Jetzt weiß ich's wieder: Das älteste erhaltene Bild mit einer Heliographie, einem Positiv-Verfahren, stammt aus dem Jahr 1826/27 und erforderte eine Belichtungszeit von acht Stunden auf einer beschichteten Zinkplatte. Das war das berühmte Blick aus einem Fenster.

Auch wenn mich Fototechnik nie so wahnsinnig interessiert hat, faszinieren mich die vielen Kleinigkeiten an den Kameras und in den Auslagen, alte Filmpackungen oder auch Fotos, die nach 100 Jahren immer noch so aussehen wie damals. Das gute alte Fixierbad wirkt beständiger als mit dem Tintenstrahler ausgedruckte Fotos oder sogar Fotos in digitaler Form auf CD oder DVD! Trotzdem wird vieles an Technikwissen im analogen Bereich wohl irgendwann nie mehr benötigt werden und auch vergessen werden. Wo in welchem Bereich - außer Kunst und Hobby - ist eigentlich die analoge Fotografie mit Film und Dunkelkammer noch zwingend erforderlich?

Unter dem Dach bzw. im ersten Stock befindet sich alles Mögliche zum Film: jede Menge Filmprojektoren, Filmkameras, Filmschneidegeräte und Zubehör aus allen Epochen. Nicht weniger interessant als der Fotobereich.

Wann fing das mit dem Filmen an? Am 1. November 1895 führten die Brüder Emil und Max Skladanowsky im Berliner Varieté "Wintergarten" die ersten "lebenden Bilder" vor. Der dritte Bruder Eugen drehte bereits Kurzfilme, die etwa 15 Minuten dauerten. Jedoch war der Apparat der Brüder Skladanowsky dem Kinematographen Lumières technisch unterlegen. Leider fehlte es ihnen auch an Geld, um ihre Erfindung auszubauen und zu verbessern.

 

 

Vom Museum führt eine Gasse zu einem Fußweg (siehe oben), der zur Hallerruine geht. An der Gasse steht wieder ein Fachwerkhaus, wo die Balken so schief eingezogen sind. Scheint eine Spezialität bzw. Eigenheit in Monschau zu sein.


Foto von Weg: Mathis

Wir sind oben an der Hallerruine und haben einen tollen Ausblick auf Monschau. Wir sehen eine Kirche an einer Stelle der Stadt, wo wir noch nicht waren. Auf dem Bild ganz rechts zwischen in den Bäumen mit den dunklen Blättern.

Wieder unten entdecke ich an einer dunkelgrünen Tür folgendes Bild. Was soll das alles darstellen?

Wir suchen die vorher gesehene katholische Pfarrkirche St. Mariä Geburt auf, und ich kriege einen Schreck - so etwas habe ich noch nie gesehen. Nach dem Eingang in das Kirchenschiff versperrt ein weißes Gitter mit Gitterblechen im Abstand von ca. 25 cm waagrecht und senkrecht über die gesamte Frontbreite und -höhe den Eingang und den freien Blick auf den Altar. Es erinnert an einen Kerker. Die Kirche ist sehr dunkel. Etwas Gutes hat das Gitter: für eine Belichtung von einer halben Sekunde mit Aufhellblitz kann ich die Kamera in so ein Gitterquadrat stecken und aufstützen. Das Bild wird aber trotzdem leicht unscharf.

Erst nach dem Urlaub - bereits am Laptop sitzend - lese ich das von mir fotografierte Kirchenhinweisschild, das links neben der Kirchentüre hing. Da wurde mir klar, warum alles vergittert war.
Die alte katholische Pfarrkirche wurde 1649/50 erbaut. Die Pfarrei war seit 1640 von der Mutterkirche Konzen unabhängig. Die reiche barocke Ausstattung des 17. und 18. Jahrhunderts erhielt sie zum Teil aus Kloster Reichenstein und Kloster Mariawald. Der silbervergoldete Liberatussschrein wurde 1769 von Anton Reuter für diese Pfarrkirche angefertigt.

 

Auf dem Weg zum Auto kommen wir an einem Grundstück und an dieser Szene vorbei.

Also, wenn da nicht der Fotograf vom Museum wohnt. Wir wissen es nicht, wir sehen kein Namensschild, aber wir nehmen es mal stark an.

Wir treffen uns mit meinen Eltern am Handwerkermarkt wieder, wo auch das Auto geparkt ist und fahren „heim“.

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