Arensberg/Arnulphusberg, Lavagrube, Gerolstein

Unbedingt erwähnen muss ich, dass ich an diesem Morgen das erste Mal in meinem Leben Milch trinke, die direkt von der Kuh kommt. Sie schmeckt viel rahmiger und voller als zuhause aus den Supermarkt-Packungen. Bin überrascht, dass in der originalen Milch kein Dreck von Kuh und Kuhstall schwimmt oder irgendwelche komischen Batzen oder Ablagerungen aus dem Euter den Trinkgenuss schmälern. Aber meine Leute klären mich auf, dass die Milch schon vorher noch gefiltert wird. Die ganze Woche trinke ich diese wertvolle Milch, ohne Zusätze wie Kakao oder sonstiges.

Wir gucken uns das Kälbchen mit seiner Mutter an. Es liegt noch erschöpft im Heu. Ekel erregend, aber das Natürlichste der Welt: die Mutterkuh frisst die Nachgeburt.

 

Wir machen nun unsere erste Wanderung in diesem Urlaub. Los geht es von unserer Ferienwohnung, dann kommen wir durch die Ortsmitte von Loogh mit seiner Kapelle 14 Nothelfer aus dem Jahr 1763. Nach der Wegmarkierung mit der Nr. 22 richten wir uns, aber die Karte vom Eifelverein haben wir zusätzlich dabei. Es wird ein heißer Tag.

Wir verpassen die erste Wegmarkierung, weil diese hinter einem hohen Stapel Holz verborgen ist (wie wir später feststellen). Ich nehme die Karte und die Wanderführung in die Hand. Wir laufen auf einer Schleife an einer Herde Schafe zum richtigen Weg zurück.

Es sind drei rotierende Windkraftanlagen in der Nähe. Diese stören mich bei Weitem nicht so sehr wie die eine Hochspannungsleitung, die durch Feld und Wiesen verläuft. Aber ohne Strom kommt wohl keine Region in Deutschland aus.

Ich habe noch nie einen Mast einer Hochspannungsleitung bewusst genau von der Seite gesehen.

Wir kommen zum Arnulphusberg bzw. Arensberg, einem erloschenen Vulkan. In den Krater kommt man durch einen Tunnel an der Seite des Vulkans.

Es ist Sonntag nachmittag, wir sind und bleiben die Einzigen dort im Krater. Ich bin sicher, an einem überlaufenen Touristenort wäre das sicher nicht der Fall gewesen. Das „Auge“ des Kraters wurde mit Steinen – im Vordergrund – symbolisiert. Das Vulkangestein, diese bröckeligen hellbraun/rosa Steinchen, sehen genau so aus wie am Vesuv, wo ich 1988 war. Die Sonne brennt uns erbarmungslos auf die Köpfe.

Der Arensberg ist die einzige bedeutende Vulkankuppe in der Gegend von Hillesheim, die aus dem Tertiär (6 – 1,7 Millionen Jahren) stammt. Die meisten anderen Vulkane entstanden nämlich im Quartär, d.h. zwischen 1,8 Millionen Jahre und heute. Bei Sprengarbeiten wurden auf dem ehemaligen Gipfel des Arensberges Funde aus römischer und mittelalterlicher Zeit gemacht. Eine alte Wallfahrtskapelle von 1182 wurde im 19. Jahrhundert abgerissen. Es finden sich nur noch Reste der Kreuzwegstationen. Vermutlich war Arensberg die verschwundene Burg Spiegelberg.

Auf dem weiteren Wanderweg kommen wir gleich nach dem Ausgang des Tunnels an einer Wegkapelle, die dem Hl. Arnulphus geweiht ist, vorbei

Der hl. Arnulf war der Sproß eines fränkischen Fürstengeschlechtes, das zu den Ahnen der Karolinger gehörte. Zuerst verheiratet und Vater zweier Söhne, wählte er später mit seiner Gemahlin den geistlichen Beruf und wurde 614 Bischof von Metz. In dieser Stellung war er der einflußreichste Berater des fränkischen Königs Dagobert I. (623-39), bis er sich 629 in die Einsamkeit des Klosters Remiremont zurückzog, um hier am 16. August des Jahres 641 sein Leben zu beschließen. In der Abtei St. Arnulf bei Metz fand er eine letzte Ruhestätte. Quelle dieses Textes: www.st-arnulf.de

Aus dem Wald kommend laufen wir eine Zeit lang auf einem unbefestigen Weg zwischen Wald und Weizenfeld. Hellrote Mohnblüten geben einen hübschen Kontrast zu den gelb-grünen Weizenähren.

Weiter geht es durch den Wald an der Anhöhe Büchenbüsch entlang. Irgendwann geht der Weg undefiniert über offene abgemähte Wiesen. Die Hochspannungsleitung von vorhin kreuzt wieder den Weg. In gerade noch Sichtweite auf der anderen Seite der leichten Talmulde führt ein Schäfer mit viel Geschrei und Hundsgebell eine riesige Schafherde von einem Feld über die Landstraße weiter den Hügel hoch. Nachdem wir die Felder passiert haben, kommen wir an einem Brückengeländer, bei dem die blaue Farbe abblättert und die frühere grüne Farbe wieder freigibt, vorbei. Meine Kratzer-Fotografie freut sich über einen Neuzugang. Sieht das nicht aus wie ein Dackel mit Halsband?

Nun sind wir in Kerpen. Wir haben Hunger und gehen ins kleine Landcafé, bzw. sitzen draußen. Mathis und ich essen einen leckeren Flammkuchen.

Über einen kleinen bewaldeten Hügel – auf der Karte steht Hillesheim Felschbach - geht es wieder nach Loogh. Wir witzeln später, wenn wir mit dem Auto vorbeifahren, denn: der Fußweg durch den Wald von Kerpen nach Loogh ist mindestens zweimal kürzer als die Straße. Die Straße führt nämlich um den ganzen Hügel herum. Außerdem kommt der Fußweg gleich in der Nähe „unseres“ Bauernhofs heraus.

Wir spielen mit den Schröder-Kätzchen, die ganz klein und süß sind. Eine kleine Schwarze versucht dauernd, Mathis Jeans hochzuklettern. Was ihr ziemlich weit gelingt.

Das kleine neue Kälbchen von heute Nacht ist bereits in seiner eigenen Box im Kuhstall umgezogen. Wenn man sich vorstellt, dass es gestern noch im Bauch seiner Mama war, ist es sehr groß!

Abends wollen wir nach Gerolstein fahren. Durch eine Sperrung des Kylltals wegen eines autofreien Sonntags müssen wir die doppelte Strecke fahren als normal, also 32 km statt nur 16 km. Am Straßenrand lesen wir das Hinweisschild „Lavagrube“. Natürlich sind wir neugierig, was das ist, und biegen ab. Es ist eine Art Bergwerk, wo Lavagestein abgebaut wird. Alle warten schon im Auto und ich fotografiere in aller Ruhe die von der Abendsonne durchfluteten Pflanzen, die aus dem schwarzen Gestein ragen.

Wir sind in Gerolstein. Die rötlichen Streifen auf der Pflasterung der Fußgängerzone hat wahrscheinlich keine andere Stadt, ein unverwechselbares Kennzeichen. Die Fotos zeigen keinen Gesamteindruck von Gerolstein, sondern nur einen winzigen Ausschnitt.

Folgende Aussicht finden wir besonders reizvoll - es sieht aus wie eine Naturbühne. Dieser Hang ist so verlockend, dass wir nach dem Pizzaessen bei Costa Verde hinaufklettern. Extremes Gegenlicht beim Sonnenuntergang verursacht diese Lichtstimmung mit der Kirche.

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